Du bist, was du isst. Diese alte Weisheit hat gerade heute wieder viel Bedeutung. Denn zwischen Fastfood und Superfood ist die Spanne riesig. Was kann man wirklich noch essen, ohne seinen Körper gleich zu vergiften bzw. sich so zu fühlen? Gerade Brot und Teigwaren – in unseren Breitengraden einfach Grundnahrungsmittel Nr. 1 – sind aufgrund von Weizen bzw. Gluten hochgradig umstritten. Alternativen werden gesucht. Eine könnte Buchweizen sein. Doch wir fragen uns: Ist das Pseudogetreide wirklich so gesund?

Was ist Buchweizen?

Botanisch betrachtet ist das Ganze eigentlich geschwindelt. Denn auch wenn der Name dieser Pflanze auf Getreide hindeutet, gehört sie zu der Familie der Knöterichgewächsen und ist somit mit Sauerampfer und Rhabarber verwandt. Sie sieht auch nicht aus, wie ein typisches Getreide. Ihr Wuchs beläuft sich auf zwischen 60 cm und 1 m. Sie trägt herzförmige Blätter und hat kleine weiße oder rosa Blüten. Damit lockt sie übrigens Bienen an, die ihren Nektar sehr lieben.

Buchweizen trägt zudem zierliche kleine Nüsschen, nur wenige Millimeter lang und dreikantig geform. Diese Körner sind der eigentliche Grund für ihren Namen! Denn optisch erinnern sie an Buchecker. Doch sie lassen sich verarbeiten, wie Weizen. So entwickelte sich der Name und die Einordnung als Pseudogetreide.

Herkunft und Geschichte der Pflanze

Ursprünglich wurde Buchweizen einmal in China angebaut und das bereits vor mehreren tausend Jahren. Dort war es ein echtes Grundnahrungsmittel. Und da sich die Samen unverarbeitet wunderbar lange hielten, nahmen die Mongolen sie im 14. Jahrhundert auf ihre Wanderungen mit. So gelangte das Pseudogetreide auch in die slawischen Regionen und nach Mittel- und Westeuropa.

In Deutschland wurde es im 14. Jahrhundert das erste Mal erwähnt. Hier trug es auch eine Weile lang den Namen “Heidenkorn” oder “Heidegraupen”. Der Grund dafür lag in der Region. Da Buchweizen gern sandige Böden hat, wuchs es besonders viel in der Lüneburger Heide. dort ernährte es die Bevölkerung lange Zeit und wurde erst im 18. Jahrhundert durch die Kartoffel ersetzt.

Das Pseudogetreide in der Moderne

Auch heute noch setzen viele Kulturen weltweit Buchweizen auf ihren Speiseplan. In Asien ist es nach wie vor beliebt, in vielen slawischen Ländern, allen voran Russland und Polen, gehört es zu den Grundnahrungsmitteln. In mediterranen Ländern (z.B. Italien) stellt man aus den kleinen Körnern eine Art Risotto her, während es in Frankreich für eine herzhafte Version von Crêpes genutzt wird. Die Niederländer backen damit ihre Poffertjes und sogar in Nordamerika wird es in Pancakes verarbeitet. Und das sind nur einige Beispiele.

Es ist also ein wenig verwunderlich, dass Buchweizen eigentlich so allseits bekannt ist und doch von der breiten Masse kaum wahrgenommen wird. Zu Unrecht, denn tatsächlich hat das Pseudogetreide nicht nur den Ruf, gesund zu sein. Es enthält tatsächlich zahlreiche wertvolle Inhaltsstoffe, die ihm seit einigen Jahren den Titel als “Superfood” eingebracht haben.

In einer Schüssel ist Buchweizen gesund als Grütze mit Petersilie daneben angerichtet worden

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Ist Buchweizen ein Superfood?

Wir haben bereits festgestellt – auch wenn der Name dazu verleitet, es wie ein Getreide einzuordnen und auch die Anwendungsweise dafür spricht, so ist es doch keines. Und das zeigt sich besonders, wenn man die Nährstoffe sich einmal genauer anschaut. Denn Buchweizen hat deutlich mehr zu bieten, als üblich ist.

Das steckt wirklich drin: Mineralien, Vitamine und Co.

Zunächst einmal besticht Buchweizen mit seinem Eiweißgehalt. Dieser ist vielleicht nicht überwältigend höher als bei anderen Getreiden, aber es ist besonders hochwertig zusammengesetzt und dadurch sehr gut verwertbar vom menschlichen Körper. Der Grund dafür ist u.a., dass alle acht essentiellen Aminosäuren in einem besonders günstigen Aminosäureprofil enthalten sind. Das kann Weizen und Co. nicht bieten.

Ebenfalls enthalten sind Kalium und Magnesium, Eisen, Zink, Kalzium, Mangan, Selen und das Coenzym Q10. Auch B-Vitamine und Vitamin E bringt das Korn mit. Bei den Kalorien entspricht der Gehalt bei 100g dem von Weizen (ca. 340 kcal), der Ballaststoffgehalt ist dafür geringer. Hier enthalten 100g Weizen 12g, während die gleiche Menge Buchweizen nur ca 4g beinhalten.

Besondere Wirkstoffe und deren Auswirkungen auf den Körper

Getreide ist ein schwieriges Nahrungsmittel, wenn man unter bestimmten Erkrankungen leidet. Dazu gehört z.B. Diabetes. Doch Buchweizen enthält u.a. Chiro-Inositol. Dieser Stoff kann den Blutzuckerspiegel regulieren. Diabetiker können darum sogar noch von Buchweizen-Produkten gewinnen.

Ein weiterer besonderer Bestandteil in diesem Pseudogetreide ist Rutin. Es kann oxidative Schäden in Blutgefäßwänden reduzieren. Dadurch wird Bluthochdruck positiv beeinflusst. Gleichzeitig können Krampfadern verbessert werden, denn der stärkende Effekt trägt sich bis zu den Kapillaren.

Zusätzlich erwähnen wollen wir noch Lezithin. Es ist vor allem dafür verantwortlich, dass die Cholesterinresorption gehemmt wird. Insbesondere bei Menschen, die zu einem hohen Spiegel neigen, profitieren davon. Zudem unterstützt Lezithin auch die Leberzellen in ihrer Arbeit und soll eine positive Auswirkung auf die Psyche haben.

Nachteile von Buchweizen

Bei all diesen förderlichen Wirkstoffen, bleibt doch die Frage, ob Buchweizen nicht auch eine Kehrseite hat. Tatsächlich gibt es einen Punkt, bei dem man aufpassen sollte. Denn die Schale der kleinen Körner gilt als gesundheitsschädlich. Der enthaltene rote Farbstoff Fagopyrin führt zu einer erhöhten Lichtempfindlichkeit, aufgrund derer Haut schneller mit Verbrennungen oder Entzündungen reagiert.

Die Samen des Buchweizens müssen darum immer erst geschält werden, bevor sie zum Verzehr oder der Weiterverarbeitung bereit sind. Dafür wäscht und quetscht sie anschließend in der Industrie. Im Handel gibt es aber bereits entsprechend vorbereitete Körner.

Alternative für Gluten- und Weizenunverträglichkeit

Ein bisschen abseits der Einschätzung ob etwas positiv oder negativ ist, wollen wir eine der Kerneigenschaften von Buchweizen betrachten. Da es sich hierbei um ein Pseudogetreide handelt, ist es glutenfrei und dadurch auch eine gute und wichtige Alternative für Menschen mit Zöliakie oder ähnlichem. Diese können bekanntlich die Klebereiweiße nicht gut verarbeiten und bekommen zum Teil Magen-Darm-Probleme.

Im Umkehrschluss kann das bedeuten, dass Buchweizen allein nicht ganz einfach zu verbacken ist. Es entsteht manchmal nur ein krümeliger Teig. In diesen Fällen kann man Buchweizenmehl andere Mehle beimischen. Entweder klassische Getreidesorten oder aber solche wie Sojamehl oder Johannisbrotkernmehl. Wir haben allerdings auch Brote, die zu 100% aus dem Pseudogetreide bestehen im Sortiment – es ist also definitiv möglich! Als Buchweizenbrot bezeichnet werden darf übrigens jedes Backwerk, das mind. 20% Buchweizengehalt aufweist.

Buchweizen: Gesund – aber auch lecker?

Medizin darf nicht gut schmecken, sonst hilft sie nicht. So sagt der Volksmund zumindest gern. Wie verhält es sich aber mit solch einem Superfood wie Buchweizen? Zugegeben, der Geschmack ist zunächst einmal vielleicht gewöhnungsbedürftig. Er hat eine leicht herbe, bittere Note und entwickelt nach dem Rösten auch etwas Nussiges. Er wird aber definitiv weniger süß als der Namensvetter Weizen. Dennoch kann man einiges mit den Körnern anfangen!

Verarbeitung: Mehl, Eintopf, uvm.

Da das Korn in dem Sinne keine unterschiedlichen Bestandteile hat, gibt es auch keinen Ausmahlungsgrad. Buchweizenmehl ist im Prinzip also immer Vollkornmehl. Da das Korn nicht besonders hart ist, kann es sogar in haushaltsüblichen Kaffeemühlen gemahlen werden. Allerdings fällt beim Schälen sehr viel Bruch an. Fertiges Mehl zu kaufen, ist darum die deutlich entspanntere Weise mit Buchweizen zu arbeiten. Alternativ findet man es auch in Form von Graupen, Grieß oder Grütze.

Mit dem Mehl lassen sich Leckereien wie Muffins, Pfannkuchen oder andere Kuchen kreieren. Natürlich auch wie schon oben erklärt Brot, wenn man die richtigen Partner hinzufügt. Auch Buchweizen-Nudeln gibt es. Zudem ergeben die Körner gekochen eine Art Beilage, ähnlich wie Risotto. In Eintöpfen, Aufläufen und Suppen werden sie ebenso gern eingesetzt. Sie ergeben auch eine tolle Füllung für Gemüse oder können zu Bratlingen verarbeitet werden.

Buchweizen kann aber auch einfach nur geröstet werden. Dann streut man die kleinen Nüsschen zum Beispiel über Salate, das Müsli oder auch für das gewisse Etwas auf ein Dessert. Eine andere Variante ist das Keimen der Samen. Dazu die Körner zwei Tage in Wasser legen und schon können die frischen grünen Triebe genossen werden. Ob zu Salat oder Suppe – oder auch einfach pur geknabbert. Selbst im Brot können sie verbacken werden und bringen ein besonderes Aroma mit sich. Ein echtes Erlebnis!

Quellen
www.foodwatch.org/…/was-genau-ist-buchweizen-ist-es-eine-alternative-zu-weizen/
www.wikipedia.org/wiki/Buchweizen
www.onmeda.de/…/buchweizen-wie-gesund.html
www.zentrum-der-gesundheit.de/buchweizen.html
www.eatsmarter.de/…/buchweizen
www.gutemehle.info/buchweizenmehl/
www.buchweizen-infos.de/