Schlank wollen wohl die meisten sein. Dafür tun sie auch so einiges. Manche treiben exzessiv Sport, anderen verkneifen sich jede noch so kleine Kalorie. Low Carb ist darum seit einigen Jahren ein ständiger Begleiter für viele. Doch ist das wirklich hilfreich beim Abnehmen? Wir haben uns als Test einmal kohlenhydratarme Backwaren näher angeschaut. Unser Fazit: Wenn schon, dann besser das Eiweißbrot selber backen. Lesen Sie hier, warum!

Das Konzept Eiweißbrot

Es gibt so einige Ernährungsikonen und Diätformen, die das Prinzip vertreten: keine Kohlenhydrate, dafür jede Menge Eiweiß. Insbesondere am Abend sollte man diese Regelung einhalten. Das würde wohl einen Anstieg des Insulinspiegels mäßigen und dadurch die Fettverbrennung in der Nacht fördern. Soweit die Theorie.

Da viele aber nur schwer ihre Gewohnheiten abstellen können, fehlte ihnen das wortwörtliche Abendbrot. Aus diesem Grund entwickelte man verstärkt Backwaren, die mit deutlich weniger Kohlenhydrate aufwarteten, dafür aber jede Menge Eiweiß liefern sollten. Ob nun Low Carb Brot oder Eiweißbrot – es schien die Lösung für alle Liebhaber der allabendlichen Stulle zu sein.

Daraus besteht Eiweißbrot

Brot ist für gewöhnlich eine Backware, welche hauptsächlich aus Getreidemehl und einigen anderen Zutaten besteht. Beim Eiweißbrot werden diese kohlenhydratlastigen Mehle aber möglichst ersetzt, beispielsweise durch Sojamehl und -schrot, Leinsaat oder Lupinenmehl. Diese liefern viel Protein. Hinzu kommen Körner (z.B. Sonnenblumenkerne, Sesam, Chiasamen usw.) und Zutaten wie Apfelfasern oder Haferkleie, welche Ballaststoffe hinzubringen.

Das Ergebnis ist im Schnitt ein Backwerk mit rund 4x mehr Eiweiß als bei herkömmlichen Sorten, welches zudem hauptsächlich pflanzlichen Ursprungs ist. Der Kohlenhydratgehalt hingegen soll ein Sechstel weniger als bei konventionellem Brot sein. Das Gebäck selbst ist locker gebacken, saftig und manchmal auch etwas klebrig. Es soll lange sättigen und sich dadurch ebenfalls positiv auf eventuelle Abnehmtendenzen auswirken.

Auf einem dunklen Tuch liegen hellbraune Sojabohnen

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Was kann das Low-Carb-Brot wirklich halten?

Das klingt doch prima? Einfach das normale Brot gegen die Eiweiß-Variante austauschen und schon klappt es mit der schlankeren Figur? Diese Vorstellung wurde tatsächlich eine Weile lang propagiert, allerdings konnte sie bislang wissenschaftlich nicht verifiziert werden. Eiweißbrot hat im Gegenteil unter Umständen sogar gegenteilige Auswirkungen.

Auf das Kleingedruckte achten!

Wenig Kohlenhydrate schön und gut. Aber was das Eiweißbrot dafür bis zu 10x mehr hat als seine herkömmlichen Verwandten, ist Fett und damit auch deutlich mehr Kalorien. Vergleicht man 100g Eiweißbrot mit der gleichen Menge Mehrkornbrot sind in der vermeintlich “gesünderen” Variante 260 kcal enthalten, während der Klassiker nur rund 200 kcal aufs Tableau bringt.

Außerdem sind auch die Vitamine, Mineralien und Spurenelemente genau zu prüfen. Diese hängen nämlich stark von den verwendeten Zutaten ab und können unter Umständen viel geringer ausfallen als z.B. im normalen Vollkornbrot. Um zu erkennen, ob das Low Carb Brot also etwas taugt, muss man sich wirklich mit den Details auseinander setzen!

Viel ist nicht immer gut!

Eiweiß, Eiweiß und noch mehr Eiweiß – ist das wirklich die Lösung? Tatsächlich nicht. Denn ein zu hoher Konsum kann die Nieren stark belasten. Als Faustregel gilt, dass pro Kilogramm eigenes Körpergewicht 2g Eiweiß am Tag zu sich genommen werden können. Ein Mensch, der also 75 kg wiegt, sollte täglich nur ca. 150g Eiweiß konsumieren. 100g Eiweißbrot liefert da schon fast ein Drittel des Bedarfs (rund 40g).

Vorsicht, Allergene!

Und noch eine nicht ganz nette Sache bringt das Eiweißbrot häufig mit sich: Gluten. Dieses wird in vielen Rezepturen eingesetzt, damit die typische Brot-Textur erreicht werden kann. Der Kleber sorgt für den Halt und ist wunderbar günstig zu haben. Es ist aber leider auch längst nicht gut verträglich für jeden. Menschen mit Zöliakie sollten hier also genau aufpassen.

Gleiches gilt für Personen, die Soja entweder nicht gut vertragen oder aus gesundheitlichen Gründen meiden sollten, zum Beispiel Hashimoto-Patienten. Die asiatische Bohne ist für viele Eiweißbrote Hauptzutat und darum auch reichlich enthalten. Wer seine Ernährung komplett auf diese Brotsorten umstellt und das nicht beachtet, kann davon tatsächlich Nachteile haben.

Und schließlich: Um den hohen Proteingehalt zu erreichen, gibt es auch viele Rezepte für Eiweißbrote, die zusätzlich tierische Produkte einsetzen. Quark, Molkenpulver und Eier sind häufig verwendete Bestandteile. Auch diese werden nicht von allen vertragen. Zudem sind die Backwaren dadurch auch nicht vegan.

Eiweißbrot – sofort in die Tonne?

Das klingt bisher so, als seien alle Eiweißbrote absolute Mogelpackungen, die einen eigentlich krank machen würden. Dieses Urteil wollen wir so aber nicht unterschreiben. Denn de facto gibt es durchaus Varianten und Situationen, in denen ein solches Brot eine gute Option darstellt. Sportler beispielsweise brauchen überdurchschnittlich viel Protein, um Muskelmasse aufzubauen. Sie können diese Mengen im Brot also durchaus verwerten.

Und wie immer im Leben macht die Dosis auch das Gift. Eiweißbrot ist locker und durchaus lecker, da greift man gern zu ein, zwei Scheiben mehr. Wer sich aber über den hohen Energiegehalt des Brotes im Klaren ist, hält sich vielleicht doch etwas zurück und kann dann das Abendbrot mit Brot genießen, ohne über die Stränge zu schlagen und sich später wundern zu müssen.

Zudem: Auch wenn die Wissenschaft noch nichts konkretes bestätigt hat bzgl. der Aufnahme von Kohlenhydrate am Abend – es berichten doch viele davon, dass sie es als angenehm empfinden, wenn ihnen das Abendbrot nicht so schwer im Magen liegt. Außerdem stammt viel Protein bei diesen Broten aus pflanzlichen Quellen, was unserem Organismus ebenfalls gut tut.

Auf einer bemehlten Oberfläche liegt ein Teigklumpen, dahinter steht eine Person.

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Die Lösung: Eiweißbrot selber backen

Sind auch sie neugierig, aber unsicher, da diese Backware scheinbar doch sehr diskutabel ist? Dann ist es vielleicht eine gute Lösung für Sie, sich in die Küche zu stellen und ein Eiweißbrot selber zu backen. Denn so kompliziert die ganzen Infos bis hierher vielleicht auch klangen – es gibt wirklich simple Rezepte, die sich prima nachbacken lassen! Wir haben zwei Vorschläge für Sie.

Glutenfreies Eiweißbrot

Manche Menschen klagen nach dem Verzehr von Eiweißbrot über Bauchschmerzen, Blähungen, ja sogar Durchfall. Grund dafür könnte vielleicht das häufig eingesetzte Gluten sein. Wir haben hier darum eine glutenfrei Variante.

Zutaten:

  • 200 g Magerquark
  • 4 Eier
  • 50 g gemahlene Mandeln
  • 50 g geschrotete Leinsamen
  • 50 g gemahlene Sonnenblumenkerne
  • 1 Päckchen Backpulver
  • etwas Salz
  • weitere Gewürze nach Belieben (z.B. Kümmel)

Zubereitung:

  1. Den Quark mit den Eiern ordentlich verrühren.
  2. Nacheinander die anderen Zutaten (Mandeln, Leinsamen, Sonnenblumenkerne) einbringen.
  3. Salzen und mit anderen Gewürzen (z.B. Kümmel) abschmecken.
  4. Eine Kastenform entweder gut fetten oder mit Backpapier auslegen und den Teig hineingeben.
  5. Den Teig mit etwas warmem Wasser bestreichen.
  6. Bei ca. 180°C für etwa 45 Minuten im Ofen backen lassen.

Kichererbsen-Eiweißbrot

Eine angenehme Abwechslung auf dem Teller ergibt diese Variante. Kichererbsen sind eine leckere Hülsenfrucht, die auch vielseitig eingesetzt werden kann. Dabei bringt sie nicht nur viel Eiweiß, sondern auch zahlreiche wertvolle Nährstoffe mit sich.

Zutaten:

  • 200 g Kicherbsenmehl
  • 100 g Butter
  • 1 TL Salz
  • 1 TL Natron
  • 5 Eier
  • Körner nach Wahl (z.B. Leinsamen, Saatenmischung)

Zubereitung:

  1. Zunächst vorsichtig die Eier trennen.
  2. Das Eiweiß steif schlagen.
  3. Kichererbsenmehl mit Butter, Salz und Natron verrühren.
  4. Den Eischnee locker unter die Masse heben.
  5. Einen Teil der Körner ebenfalls vorsichtig in den Teig mischen.
  6. Mit etwas Öl eine Kastenform fetten und mit den restlichen Körnern ausstreuen.
  7. Den Teig einfüllen und bei 180°C ca. 50 Minuten im Ofen backen lassen.

Quellen
www.lifeline.de/…/eiweissbrot-wie-gesund-ist-es-wirklich-id91119.html
www.ugb.de/…/?eiweissbrot-soja
www.verbraucherzentrale.de/…/eiweissbrot-11175
www.eatsmarter.de/…/eiweissbrot
www.freiburg-nachrichten.de/…/ist-eiweissbrot-wirklich-gesund-macht-es-schlank/
www.kochbar.de/…/Kichererbsen-Eiweissbrot.html
www.chefkoch.de/…/Eiweissbrot-das-Low-Carb-Brot.html